ABS-Logo: Aktive Behinderte in Stuttgart und Umgebung - Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen Stuttgart e.V.

News 7 Juni 2006

Thema des Tages

Sind Stuttgarts Ämter beratungsresistent?
Wie barrierefrei ist Stuttgart eigentlich?

Es ist egal wo der mobilitätsbehinderte Bürger dieser Stadt hinschaut, es wird im Städtle kräftig geplant und gebaut. Die Fassade lässt vermuten, dass hier der Stadtplaner kräftig in den Säckel gegriffen hat. Hat er auch! Eben mal 27 Mill. für das neue Kunstmuseum, da ein paar Millionen für die neue Bepflasterung vom Schloßplatz zum Bahnhof, dort noch ein paar Euros für das Gottlieb-Daimler-Stadtion, ganz abgesehen davon was die Sicherheitsdienste kosten für die Bewachung der Gebäude. Summa summarum ein stattlicher Batzen Geld. Da fragt man sich, sind die Gebäude auch für "Alle" nutzbar? Haben die großen Bauherrn mit ihren noch größeren Architekten richtig geplant und gebaut? Beim neuen Kunstmuseum muss der Architekt jedenfalls kurzfristig erblindet sein. Wie sonst konnte er eine Rampe bauen die 25 Meter lang ist und keine einzige Ruhefläche aufweist. Darauf angesprochen kam die noch geistlosere Antwort "Vom Design ging das nicht anders". Hier muss festgestellt werden, was dem Bauherrn der Beton am Gebäude, ist dem Architekten der Granit im Kopf. Gerade rechtzeitig zur WM wurden in der Fußgängerzone neue Orientierungsschilder aufgestellt, auf die Lesbarkeit für Sehbehinderte wurde nicht geachtet. Hier gibt's noch viel Lernbedarf meine Herren Städteplaner! Egal was hier in Stuttgart gebaut wird, die Stadt kann sich jederzeit an die IG Planen und Bauen wenden und sich beraten lassen. Aber genau da hakt es.

Barrieren in den Köpfen ?

Wer hat sich noch nicht über so manche Barrieren in den Köpfen unserer Mitmenschen geärgert. Wenn in Stuttgart gebaut wird, sind es die Behindertenparkplätze, die geopfert werden, denn von denen gibt's ja reichlich! Bei der Suche nach Parkmöglichkeiten in der Innenstadt müssen wir oft genug feststellen, dass die gewohnten Parkplätze auf einmal nicht mehr da sind. Stattdessen stehen Baufahrzeuge drauf, oder sie werden für Baucontainer genutzt. Was aber noch ärgerlicher ist, ist die Tatsache, dass keine Alternativen vorhanden sind. Auch hier ist die Stadt, oder genauer das Amt für öffentliche Ordnung taub auf beiden Ohren.

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Vorwort unseres Ersten Vorsitzenden

Foto von Johann Kreiter Liebe Mitglieder,

die ABS-News erscheint dieses Mal etwas später, da aufgrund der vielen Aufgaben im Verein unsere Ehrenamtlichen bis zur Halskrause mit Arbeit zugedeckt sind. Hier könnten wir von Eurer Seite eine weitere Unterstützung gebrauchen.

Zur Zeit laufen im Verein folgende Projekte:

Des weiteren werden wir unterstützt von Peter Tschellnig, Barbara Leye, Dörte Wirths, Jürgen Steck und Guido Frohnmeyer.

Wie ihr sehen könnt, wird hier einiges bewegt. Es ist eine große ehrenamtliche Belastung für alle Beteiligten. Da wir noch einiges vorhaben, sind uns natürlich weitere Mithelfer gerne willkommen. Auch Personen die neue Ideen haben werden bei uns gerne gesehen.

Auf ein baldiges sich Treffen in den Vereinsräumen freuen wir uns

Euer Erster Vorsitzender Johann Kreiter

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Die Fußball WM in Stuttgart

Cartoon: Rollstuhlfahrer im Stadion (von Hubbe) StZ vom 13.06.2006

Ein Angebot für Behinderte - Mobil trotz Rolli

Der Verein "Aktive Behinderte in Stuttgart und Umgebung" (ABS) will sich als ehrenamtliche Organisation an der WM 2006 in Stuttgart beteiligen. Dabei wird der Verein von Toto Lotto unterstützt. Das Engagement beinhaltet Dienstleistungen für behinderte Gäste der WM. Es werden Fahrdienste zur Verfügung gestellt, es gibt einen Pannenservice für Rollstühle und andere Serviceleistungen. Da ältere und behinderte Menschen ein großes und vielfach unbekanntes Marktpotenzial darstellten und tendenziell bei guten Erfahrungen zu Stammkunden in der Region Stuttgart werden könnten, sei es wichtig, sich um die Besucher zu kümmern, teilte die Organisation mit.

Die Spiele der deutschen Nationalmannschaft, die Spiele in Stuttgart (und auch einige andere) könnt ihr jederzeit gemeinsam mit uns auf unserer Leinwand anschauen. Wir treffen uns zu jedem Spiel in unseren Vereinsräumen in der Reinsburgstraße 56.

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Stuttgart barrierefrei

Hier muss vom Amt für öffentliche Ordnung endlich was getan werden

Rolliparkplatz Christof-Str. verstellt durch Motorräder Es ist jedoch unmöglich, einen extra Parkausweis für ein Auto zu bekommen, das nicht auf eine Einzelperson zugelassen ist. Die Begründung ist, dass Ausweise in Stuttgart nur an Schwerbehinderte mit Kfz vergeben werden und jeder Behinderte, der dieses Auto nutzt, ja seinen Ausweis hineinlegen könnte. />Was habe ich mich gefreut, in der Zeitung zu lesen, dass die Polizei in Stuttgart gründlichere Kontrollen auf den Behindertenparkplätzen machen will. Wer kennt das nicht: Hat man sich endlich durch das Autogewirr der Stadt gefunden und einen der Parkplätze erreicht, ist dieser besetzt. Der Blick in die Frontscheibe endet oft ernüchternd. Kein Parkausweis. Lohnt es sich zu warten, bis der Fahrer "nur mal ganz kurz" aus dem Geschäft zurück ist? Die Polizei zu rufen ist auch meistens zu aufwendig. Wenn diese überhaupt darauf eingeht und kommt, dann dauert es lange, bis auch ein Abschleppdienst da und der Parkplatz endlich frei ist.

Das wird sich jetzt ändern - so war meine Hoffnung!

Dass sich aber solche Folgen aus der Parkplatzkontrolle ergeben würden, das hatte ich mir nicht ausgemalt: Mit unserem Vereinsbus, immerhin einem recht großen Auto, ist es schwierig im Stuttgarter Westen einen Parkplatz zu finden. Aber wir haben ja zwei große Behindertenparkplätze vor der Tür und es liegt ja wohl nahe, dass ein Bus, der ausschließlich von behinderten Menschen genutzt wird, auf einem Behindertenparkplatz steht. So hatten wir es uns zumindest vorgestellt.

Vergessen haben die Zuständigen dabei jedoch, dass diejenigen, die den Bus brauchen auch die sind, die kein eigenes Auto haben und somit auch keinen Ausweis besitzen. Unser Versuch, einen Ausweis zu kopieren und hinter die Scheibe zu legen, endete nach einer Strafanzeige wegen Dokumentenfälschung vor Gericht. Der Ausweisbesitzer wurde zu 300 € Euro Strafe verurteilt. Unser nächster Versuch war, den Bus ohne Ausweis auf dem Parkplatz stehen zu lassen, in der Hoffnung, dass die Polizei die unübersehbare Aufschrift "Aktive Behinderte Stuttgart" sehen und somit kulant sein würde. Da hatten wir aber noch nicht mit unserer Nachbarin gerechnet! Jeden Tag aufs Neue bekam der Verein einen Strafzettel wegen Falschparkens auf einem Behindertenparkplatz. Für uns untragbare Kosten und vor allem ein untragbarer Zustand.

Erkundigungen unseres Vorsitzenden Hans Kreiter haben ergeben, dass es in München Sonderausweise für soziale Dienste gibt. Dies sind "Personen oder Organisationen, die eine größere Zahl hilfs- und pflegebedürftiger Menschen betreuen und deshalb auf die Benutzung des Kraftfahrzeugs und auf eine Parkmöglichkeit in angemessener Entfernung … zwingend angewiesen sind." Dieser Ausweis kostet im ersten Jahr 90 € und in den drauffolgenden 75 €.

Ich sehe zwar keinen Sinn darin, warum ein Verein als Halter eines Busses zum Transport Behinderter Geld zahlen muss, um einen Ausweis für die Nutzung von Schwerbehindertenparkplätzen zu erhalten. Aber es wäre schon mal eine große Verbesserung zum momentanen Zustand - warten wir ab, was sich aus den Gesprächen mit der Stadt Stuttgart ergibt.

Badeanstalten werden in Stuttgart für Behinderte zum Luxus....
Wird die Stuttgarter Bäderszene für behinderte Menschen zum Ärgernis?

Im Minera4lba4d Leuze gibt es keine Ermäßigung für Begleitperson, im Heil- und Kurbad Berg existiert kein Zugang für Rollstuhlfahrer.

Das sind nur zwei negative Beispiele in der Stuttgarter Bäderszene, in denen zum einen die Barrieren im Geldbeutel beginnen und zum anderen wie im Bad Berg bereits im Kopf der Betreiber.

Aber eins nach dem anderen:

Während in den umliegenden Bäder in Böblingen, Bad Urach und Beuren Menschen mit Behinderungen ohne großen Umstand ihre im Ausweis eingetragene Person ohne Zuzahlung mit ins Bad nehmen können, geht das in Stuttgart nur in Verbindung mit dem Familienpass. Diese Bonuskarte bekommen nur Personen, die extrem wenig Geld im Beutel haben und praktisch schon unter dem Existenzminimum leben. Wenn man überlegt, dass in Stuttgart das Leben schon ohnehin sehr teuer ist und behinderte Menschen einen erheblichen finanziellen Mehraufwand haben, durch den sie weitere erhebliche Einschränkungen erfahren, dann ist diese Personengruppe aus Stuttgarts Bäderparadiesen quasi ausgeschlossen.

Zynischer Weise kommt hinzu, dass laut Bäderordnung, behinderte Personen mit dem Merkzeichen "B" im Ausweis nur mit Begleitperson ein öffentliches Schwimmbad besuchen dürfen. Das heißt nichts anderes, dass ein Mensch mit Behinderung doppelt zahlen muss. Hinzu kommt, dass der behinderte Badegast im Vergleich zu anderen Badegästen einen höheren Zeitaufwand hat, was aber keinem der verantwortlichen Betreiber bewusst ist. Bei Zeitüberschreitung muss nachgezahlt werden, egal warum- ein Aspekt der Gleichberechtigung. In Stuttgart leben ca. 45000 Menschen mit Behinderung, was bei der Olympiabewerbung und jetzt gerade auch bei der Fußballweltmeisterschaft deutlich wird. Jedem Verantwortlichen in Stuttgart sollte das bewusst sein, außerdem sollte es deutlich sein, dass bestimmt Verwaltungsvorschriften eine Qualitätsminderung für einen hohen Prozentsatz der Bürger darstellen. Leider hat man manchmal das Gefühl, dass in der öffentlichen Verwaltung realitätsfern gehandelt wird und dass dort Menschen arbeiten, die sich niemals Gedanken um Barrierefreiheit für alle Bürger gemacht haben, denn das würde mehr Bewegung und Flexibilität erfordern, die in den meisten Fällen nicht ausgebildet ist - eine Behinderungsform, die in seltenen Fällen aber auch behandelt werden kann.

Fazit: Es ist hier mit Sicherheit noch einiges zu tun, nicht nur im Stuttgarter Bäderbereich.... Leider bietet unser heutiges Schwerbehindertenrecht Beispiele hierfür, dass eine nicht mehr nachvollziehbare Überregulierung des Arbeitsverhältnisses genau das Gegenteil von dem bewirkt, was eigentlich gewollt ist: es werden zusätzliche Hürden für die Beschäftigungen aufgestellt, anstatt die Beschäftigung zu fördern uns unterstützen.

Eros endlich barrierefrei

Stuttgart (kobinet) Im eher konservativen Stuttgart wurde jetzt das "Eros" barrierefrei gestaltet. Die Aktiven Behinderten in Stuttgart (ABS) haben sich dafür stark gemacht und feiern heute die Einweihung des neuen barrierefreien Etablissements kräftig. Wie Hans Kreiter vom ABS gegenüber den kobinet-nachrichten berichtete wird heute um 20.00 Uhr das umgebaute Haus des "Eros" mit der Spider Murphy Gang und ihrem "Skandal um Rosi" und der Prominenz aus der Szene, Dolly Buster und der Kautschuk Lady mit "Gib Gummi" bei Sekt und kleinen "Schweinereien" eröffnet. Schon Jahrelang war den Betreibern des Etablissements von den behinderten Kunden und Kundinnen angetragen worden, ihr öffentliches Verlustierungsgebäude den Menschen mit Behinderung zugänglich zu machen.

Cartoon: Freudenhaus mit Rampe (von Hubbe)"Nun ist es endlich wahr geworden. Aus dem Fördertopf 'soziale Stadt' im Rahmen der Eingliederungshilfe wurden Mittel frei gegeben, die Pläne zu bearbeiten. Unter Mithilfe kompetenter BeraterInnen aus der Stuttgarter Hans Kreiter. (c) Philipp Hubbe Dabei seien jedoch nicht die Männer die treibende Kraft gewesen, versichert der schüchterne Bayer. Vielmehr hätten die weiblichen Mitglieder des Vereins richtig Druck gemacht. So ist der Sexy-Bayer alias Hans Kreiter auch nicht drum herum gekommen zur Feier des Tages heute Abend den Eröffnungsstrip auf der Tanzfläche hinlegen zu müssen. "Wenn meine Fans das wollen, bleibt mir wohl nichts anderes übrig", sagte dieser verschämt gegenüber den kobinet-nachrichten und lenkt das Gespräch wieder auf die technischen Details des Umbaus. "Der Eingang des Gebäudes wurde mit einem Treppenlift ausgestattet, die WC's wurden sowohl für Frauen als auch für Männer barrierefrei gestaltet.

"Warum für Frauen?" wurden die Betreiber von der New York Times gefragt. "Ganz einfach", so der Besitzer, "da heute im Zeitalter der Gleichberechtigung auch Frauen die Freiheit haben, solch eine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen. Unsere Mitarbeiter wurden auch vom ABS sensibilisiert und wissen, wie man sich im Einzelfall verhalten sollte. Da unser Personal öfter wechselt, werden auch regelmäßig Nachschulungen erfolgen", hieß es von der Geschäftsleitung. Die Leitung des Eros hat sich auch Gedanken dazu gemacht, wie ihre behinderten KundInnen in den Zimmern zurecht kommen. Deshalb wurden in 5 der 25 Zimmer mobile Deckenlifte montiert. Alle 5 Zimmer verfügen über ein Eromaticsystem, das bereits in Holland eingesetzt wurde, um dem Gast mit hoher Lähmung ein Bewegen der Hüfte zu ermöglichen. Notruf ist eine Selbstverständlichkeit. Ein zusätzlicher Anreiz soll die Rezeptierung durch den Hausarzt sein. Mit den Krankenkassen in Stuttgart wurde ein einjähriges Modell vereinbart. Behinderte Menschen erhalten ab 50 Prozent Grad der Behinderung bei Vorlage des Ausweises und der Quittung des Eros 50 Euro Zuschuss. Sollte dieses Modell sich als erfolgreich bewähren, können sich die Betreiber vorstellen, in anderen deutschen Großstädten weitere

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Service der DB

Mobil trotz Handicap

Die Bahn hat ihre Broschüre "Mobil trotz Handicap" neu aufgelegt. Sie informiert darin über die Serviceangebote für mobilitätseingeschränkte Reisende. Die Broschüre ist kostenlos erhältlich in allen DB Reisezentren, an DB Service-Points, in Reisebüros mit DB-Lizenz, bei Versorgungsämtern und auch zum downloaden unter Besuchen Sie Handicap - Menschen mit Behinderungen.

Der Deutschen Bahn haftet nach wie vor das Image der Behinderten-UN-freundlichkeit an und sicherlich: es gibt auch noch viel zu tun.

Trotzdem hat sich in den letzten Jahren viel verändert und die Verantwortlichen geben sich Mühe, das Serviceangebot zu verbessern. So kann man sich zum Beispiel als Rollstuhlfahrer an die Mobilitätsservice-Zentrale wenden, um Hilfestellungen beim Ein-, Um- und Aussteigen anzufordern und das klappt im Gegensatz zu früher auch. Die Zentrale gibt auch Auskunft über Reiseverbindungen, die sich speziell an den Bedürfnissen behinderter Menschen orientieren.

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Behindertem steht Internetzugang zu

Ein Schwerbehinderter Sozialhilfeempfänger kann Anspruch auf die Übernahme der Kosten für einen Internetanschluss haben. Dies beschloss das Verwaltungsgericht aus dem Rems-Murr-Kreis und hat einem Mann Recht gegeben.

Der Kläger, ein 40 Jahre alter Mann, hatte im Jahr 2000 einen Unfall. Seitdem ist er in seiner Beweglichkeit deutlich eingeschränkt. Um sich zu informieren und um Kontakt zu seinen sieben Geschwistern in Übersee zu halten, beantragte er die Übernahme der Internetkosten über die Eingliederungshilfe. Dies wurde jedoch abgelehnt mit der Begründung, dass unter die Eingliederungshilfe nur der Mehraufwand falle. Das Verwaltungsgericht teilte diese Ansicht nicht und verurteilte den Kostenträger, für den günstigsten Anbieter, monatlich 30 Internetstunden zu übernehmen. Das Verwaltungsgericht argumentierte, dass Schwerbehinderte mit dem Internet eine Verbindung zur Umwelt aufnehmen können und somit am Leben der Gesellschaft teilnehmen können. Da immer mehr Personen über einen Internetzugang verfügen, sei das Internet ein geeignetes Mittel, Beziehungen zur Umwelt herzustellen.

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Unsere deutsche Bürokratie zur Landtagswahl

Wenige Wochen vor unserer Landtagswahl in Baden-Württemberg erhalte ich die Postkarte mit meiner Wahlberechtigung. Am Wahltag werde ich nicht zu Hause sein. Also stelle ich einen Antrag auf Briefwahl. Da ich persönlich nicht (zumindest reproduzierbar) unterschreiben kann, füllt meine Mutter die Karte aus und unterschreibt mit V. Fischer. Drei Tage später liegt der Antrag unerledigt mit folgender Bemerkung wieder in meinem Briefkasten: bitte unterschreiben Sie den Antrag persönlich oder senden Sie eine Vollmacht für V. Fischer. Ich fasse es nicht! da sitzt also tatsächlich ein Beamter an seinem Schreibtisch und vergleicht Unterschriften! Ich rufe dort an und frage nach, ob ihnen tatsächlich meine Unterschrift vorliegt. "Natürlich nicht. Wir vergleichen nur die Unterschrift mit dem Namen. Bei sichtbaren Abweichungen verlangen wir eine Vollmacht." Das muss man sich vorstellen! V. Fischer weicht deutlich von M. Fischer ab! Wäre die Unterschrift nur Fischer, würde ich die Unterlagen problemlos erhalten. Unterschreibt jemand unleserlich, sodass der Name gar nicht erkannt werden kann, wird angeblich keine Vollmacht verlangt! Natürlich habe ich eine notariell beglaubigte Vollmacht, diese ist etwa 10 Seiten lang. Allerdings bestehen die Beamten nicht darauf, dass ich diese vorlege. Nachdem ich den Sachverhalt erklärt habe, heißt es: "Es reicht aus, wenn ihre Mutter darunter schreibt, dass sie persönlich wegen körperlicher Behinderung nicht unterschreiben können."

Da fragt man sich, wann unsere Bürokratie endlich abgebaut wird, um die öffentlichen Gelder sinnvoll einzusetzen.

Michael Fischer

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Behinderte Menschen im Beruf: SBV-Wahl 2006

Im Herbst 2006 findet in Betrieben und Dienststellen die Wahl der Schwerbehindertenvertretung (SBV) statt. Die Integrationsämter stellen auf ihrer Besuchen Sie Internetseite verschiedene Angebote zur Verfügung.

Unter anderem ist eine ausführliche Broschüre mit allen wichtigen Informationen und Unterlagen zur Wahl erhältlich und es gibt ein Lernprogramm, das bei der Wahl unterstützen soll. Außerdem gibt es Kurse, die die Integrationsämter zum Thema Wahl anbieten (in Stuttgart findet dieser am 14.07. statt). Auskünfte über die Kurse erhält man unter E-Mail  fortbildung@kvjs.de oder beim Servicetelefon 0711 - 63 75 610

Außerdem bietet ein Fachlexikon Erklärungen zu allen wichtigen Begriffen rund um die Wahl und die gesetzlichen Bestimmungen (SchwbVWO).

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Das geht uns alle was an - die Förderalismusreform

Föderalismus ist ein politisches Ordnungs- bzw. Strukturprinzip, bei dem verschiedene selbstständige und unabhängige Gemeinschaften innerhalb eines Gemeinwesens ihre Entscheidungen abstimmen und / oder ergänzen. Formen des Föderalismus sind der Staatenbund (Vereinigung unabhängiger Staaten, die zur Ausführung bestimmter Aufgaben gemeinsame Organe ins Leben rufen) oder der Bundesstaat (durch den Zusammenschluss mehrerer Staaten entsteht ein neuer Staat). In der Bundesrepublik Deutschland (Bundesstaat) ist der Föderalismus im Grundgesetz festgeschrieben. Er sieht eine Kooperation von Bund und Ländern vor. Kritiker klagen, dass die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern im Laufe der Jahre dermaßen stark reguliert worden ist, dass sich beide mittlerweile mehr blockieren als ergänzen. Politische Beobachter sehen in dieser Entwicklung einen maßgeblichen Grund für die Reformunfähigkeit Deutschlands und vor diesem Hintergrund werden auch seitens der Politik zunehmend Forderungen nach einer Reform des Föderalismus laut. Einen Rückschlag erlitten die Bemühungen um eine Föderalismus-Reform durch das Scheitern der Föderalismus-Kommission im Dezember 2004. Das Mitte Oktober 2003 von Bundesregierung und Opposition eingesetzte Gremium verfehlte eine Einigung wegen strittiger Fragen in der Bildungspolitik. Im Rahmen der Beratungen von SPD und Union zur Bildung einer Großen Koalition nach der Bundestagswahl am 18. September 2005 wurde das Thema Föderalismus-Reform mit abgehandelt. Die Regierungskoalition hat im März 2006 einen Gesetzesentwurf vorgelegt, in dem die Zuständigkeiten von Bund und Ländern genauer geregelt werden sollen als bisher.

Der Deutsche Behindertenrat (DBR) befürchtet einschneidende Änderungen und Rückschritte was die Rechte behinderter Menschen betrifft. So ist zu befürchten, dass z.B. Gaststätten die nicht barrierefrei sind, Konzessionen erhalten (da für das Gaststättengesetz die Länder unabhängig vom Bund zuständig sein sollen), dass genauso die Qualitätsstandards in Heimen für behinderte Menschen in den Ländern auf unterschiedlichem Niveau sein werden, da auch das Heimrecht Ländersache sein soll. Auch behinderte Studenten müssen sich auf starken Gegenwind gefasst machen: Änderungen im Hochschulrahmengesetz sehen vor, dass die Länder allein entscheiden können, ob sie die Regelung, dass behinderte Studierende möglichst ohne fremde Hilfe ihr Studium durchführen können, ändern werden.

Im Bereich der Sozialhilfe ist die Vorschrift gefährdet, dass das Verfahren zur Klärung der Zuständigkeit der Leistungsträger schnellstmöglich durchgeführt werden muss. So auch die Regelungen, die die Kooperation der Leistungsträger und die Koordinierung der Leistungen sicherstellen, ebenso die Regelungen bezüglich des Persönlichen Budgets.

Auch der Präsident des Sozialverbands VdK Deutschland, Walter Hirrlinger, äußerte sich kritisch zur aktuellen Anhörung: "Wird das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) im Zuge der Föderalismusreform gekippt, sind alle mobilitätseingeschränkten … Menschen die Leidtragenden… Davon betroffen sind Menschen mit Behinderungen, Ältere sowie junge Familien gleichermaßen."

Es stehen also viele der Errungenschaften der Behindertenbewegung auf dem Spiel, so auch das im SGB IX gestärkte Selbstbestimmungsrecht behinderter Menschen.

Zur Zeit laufen die Anhörungen zur Föderalismusreform, zu denen trotz mehrfacher Anstrengungen des DBR keine Vertreter eingeladen worden sind.

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Der Marsch aus den Institutionen tut Not

Das Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen - ForseA e.V. - hat sich 1997 vor allem deshalb gegründet, um behinderten Menschen, die auf personelle Hilfen angewiesen sind, ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen - und zwar in der von ihnen selbst gewählten Umgebung. Daher haben wir uns einerseits für die Verbesserung der Rahmenbedingungen bei der Bewilligung von Leistungen zur Persönlichen Assistenz stark gemacht. Andererseits war es uns auch stets ein großes Anliegen, behinderte Menschen vor der Einweisung in Einrichtungen zu bewahren, bzw. ihnen den Auszug aus Behinderteneinrichtungen zu ermöglichen.

 Werbeplakat: Marsch aus den Institutionen. Reißt die Mauern nieder! Mittels einer fast ausschließlich ehrenamtlich geleisteten Beratung, Schulung, Interessenvertretung und Öffentlichkeitsarbeit gelang es uns auf diese Weise, vielen behinderten Menschen, die zum Teil einen sehr hohen Unterstützungsbedarf haben, neue Wege zu einem selbstbestimmteren Leben inmitten der Gemeinde zu eröffnen.

An diese Erfahrungen und Erfolge wollen wir mit dieser von der Aktion Mensch, sowie von vielen Verbänden und Einzelpersonen unterstützten Kampagne anknüpfen und uns gezielt auf den längst überfälligen Wandlungsprozess von der stationären "Fürsorge" und "Betreuung" zur ambulanten Unterstützung von behinderten Menschen konzentrieren. Anhand des Sinnbildes des "Marsch aus den Institutionen" wollen wir mit dieser Aufklärungskampagne einerseits dafür werben, dass mehr behinderten Menschen die Türen geöffnet werden, damit diese wohnortnah unterstützt werden und nicht mehr in Behinderteneinrichtungen leben müssen, wenn sie dies nicht wollen.

Andererseits wollen wir aber auch konkret behinderte Menschen dabei unterstützen, diesen Weg aus den Institutionen zu gehen. Mit einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit und öffentlichkeitswirksamen Aktionen wollen wir diesen Prozess in die Öffentlichkeit tragen und die Notwendigkeit für politische und organisatorische Reformen deutlich machen. Dies ist vor allem aufgrund der aktuellen Einführung der Persönlichen Budgets nötiger denn je. Dabei wollen wir sicherstellen, dass behinderte Menschen selbst die entscheidende Rolle bei dieser Kampagne spielen, so dass ihre Stimme verstärkt in dieser Diskussion gehört wird.

Den Aufhänger und Startschuss für diese Kampagne bildet der Berlin-Marathon am 26. September 2004. Hierfür ist es uns gelungen, einige bekannte Protagonisten der Selbstbestimmt Leben Bewegung behinderter Menschen zu gewinnen, die entweder zu Fuß, per Rollstuhl oder mit einem Handbike die 42,192 km zurücklegen werden. Dabei handelt es sich nicht um traditionelle BehindertensportlerInnen, sondern zum Teil sogar eher um unsportliche Menschen, die mit ihrer Teilnahme und ihrer eigenen Geschichte deutlich machen, dass es sich lohnt, sich zu engagieren um ein angestrebtes Ziel zu erreichen.

Unter dem Motto "Marsch aus den Institutionen" wollen wir anhand des Marathons und dieses Symbols in den 43 Folgewochen wöchentlich jeweils ein Thema aufgreifen, das nötig ist, um den Weg aus der institutionellen zur ambulanten Unterstützung zu schaffen. Diese Themen reichen vom Peer Counseling, über die Persönliche Zukunftsplanung und positive Rollenvorbilder mit konkreten Erfahrungen, über die Darstellung internationaler Entwicklungen und Informationen über die Unterstützung vor Ort, bis zur Verbreitung konkreter Zahlen über die stationäre Unterbringung und die Vorstellung von Modellen wie der Persönlichen Assistenz und dem Persönlichen Budget.

In diesen 43 Schritten wollen wir nach dem öffentlichkeitswirksamen Start mit dem Berlin-Marathon dem Ziel einer wohnortnahen Unterstützung näher kommen. Konkrete Erfolge von behinderten Menschen sollen Mut machen die bestehenden Systeme zu ändern. Wir wollen die Politikerinnen und Politiker herausfordern, ambulante Unterstützungsstrukturen auch für Menschen mit einem hohen Unterstützungsbedarf zu schaffen bzw. zu stärken und damit den viel zitierten Paradigmenwechsel zu vollziehen. Dies werden wir durch die öffentlichkeitswirksamen Aktionen, die Erstellung und Veröffentlichung von Porträts von behinderten Menschen, das Aufzeigen von positiven Veränderungen in Behinderteneinrichtungen und durch Informations- und Diskussionsveranstaltungen in verschiedenen Städten einfordern.

Gleichzeitig wollen wir gemäß dem Slogan der 68er-Bewegung mit dem "Marsch durch die Institutionen" in der Behindertenarbeit und -politik engagierte Menschen dazu anstiften, den "Marsch aus den Institutionen" zu wagen und zu unterstützen. Hierfür wollen wir ein Netzwerk zur Deinstitutionalisierung und Einrichtungsreform aufbauen.

Im Hinblick auf die Tatsache, dass in Deutschland noch über 160.000 behinderte Menschen in Sondereinrichtungen leben müssen - und diese Zahl stetig ansteigt - haben wir uns hohe Ziele gesetzt und gibt es noch viel zu tun. Dass sich der Kampf lohnt, zeigen Erfahrungen in anderen Ländern wie zum Beispiel in Schweden und den USA, wo Behinderteneinrichtungen gezielt abgebaut und die ambulante Unterstützung gestärkt wurde. Um unser Ziel eines selbstbestimmten Lebens mit ambulanter Unterstützung zu erreichen, brauchen wir jegliche Hilfe, ob sie organisatorischer, politischer oder finanzieller Art ist, ob sie von einer Behindertenorganisation, aus der Politik, der Verwaltung oder von engagierten Einzelpersonen kommt. Denn eine solche Kampagne kostet nicht nur viel Geld, sondern auch viel Kraft. Wir bauen auf Ihre Unterstützung.

Elke Bartz, Vorsitzende Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen - ForseA e.V.
Ottmar Miles-Paul, Koordinator der Kampagne

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Nachrichten aus dem Frauenprojekt Lilith

Heidi Hauger Unser Kulturangebot ist bisher gut angelaufen. Besonders gut besucht war die Vernissage der besonderen Art, bei der 7 KünstlerInnen mit und ohne Behinderung ihre Werke ausgestellt haben. Umrahmt wurde der Abend von Heidi Haugers Band DIDADI, die das Publikum mit afrikanischen Trommelrhythmen begeisterten. Der Abend war ein voller Erfolg und fast alle Bilder können zurzeit noch in den Vereinsräumen des ABS besichtigt werden.

Trommlergruppe Im Moment sind wir dabei, das neue Programm zu planen, das nach den Sommerferien, im September beginnen wird. Zu den geplanten Programmpunkten gehören ein Besuch des neuen Daimler Museums, ein Abend mit französischen Köstlichkeiten oder ein Filmabend. Das Programm wird rechtzeitig an alle Interessierten verschickt. Ein weiterer Schwerpunkt im Herbst ist eine Ausbildung in Klientenzentrierter Beratung, die wir für alle anbieten, die sich für das Thema interessieren und / oder Lust haben im ABS ehrenamtliche Beratung zu machen. Die Teilnehmerzahl beschränkt sich allerdings auf 8, so dass jeder, der sich dafür interessiert, sich möglichst bald auf die Teilnehmerliste setzen lassen sollte.

Am 17. Oktober 2006 findet von 19:00 bis 21:00 Uhr eine Veranstaltung zum Thema Rehamaßnahmen in Kooperation mit der Deutschen Rentenversicherung in den Vereinsräumen statt. Die Werbung dafür wird rechtzeitig an alle rausgehen. Wir möchten Euch aber auf diesem Wege schon mal herzlich dazu einladen.

Andrea Petersen und Maria-Cristina Hallwachs, Frauenprojekt LILITH

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Begriffe, mit denen wir leben: Was ist eigentlich Empathie

Schlägt man in einem Wörterbuch für Fachbegriffe in der sozialen Arbeit nach, dann steht da ganz lapidar: Einfühlungsvermögen, die Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Erlebensweise anderer Menschen einzufühlen. Dabei werden vom Betrachter eigene Gefühle auf den anderen übertragen.

Und es ist auch sehr einleuchtend, dass von jedem, der in der sozialen Arbeit steht, viel Einfühlungsvermögen, also Empathie erwartet wird. Von Menschen die in ihrem Alltag eng mit anderen zusammenarbeiten, von denjenigen, die als Assistenten bei Menschen mit Behinderung arbeiten, von allen, die sich viel mit dem Leben, Denken und Fühlen anderer auseinandersetzen, von denen wird Empathie erwartet.

Was aber ist Empathie, wie genau erwirbt man sich eine solche Fähigkeit?

Es gibt viele Situationen, in denen wir mitempfinden können etwa wie stark ein Schmerz ist, wie groß ein Verlust oder wie stark eine Freude. Es gibt ebenso viele Situationen, in denen wir das nicht vermögen. Das liegt, so glaube ich zumindest, stark an unseren sympathischen oder weniger sympathischen Gefühlen. Wenn wir jemanden sehr mögen und sehen, dass er ein großes Leid trägt, dann ist unser Mitgefühl viel intensiver, als wenn wir erleben, dass einem Menschen, den wir nicht mögen, ein Missgeschick passiert. Dann denken wir vielleicht sogar insgeheim: "Gut, dass er diese Erfahrung auch mal macht."

Wenn man wie wir, die wir im Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen arbeiten, in der sozialen Arbeit steht, dann geht es natürlich nicht, dass wir uns z.B. bei der Beratung von Sympathie oder Antipathie leiten lassen. Dennoch sind diese Gefühle ja zweifelsohne vorhanden. Es wird immer eine ganz spannende Frage sein: wie kommt man darüber hinaus?

In der alltäglichen Arbeit taucht immer wieder die Frage auf: Wie kann ich, obwohl mir dieser Mensch so sympathisch oder jener Mensch so unsympathisch ist, trotzdem einfühlsam sein? Wie verhindere ich, dass mir meine Gefühle den Blick verstellen?

Das ist gar nicht so einfach. Das geht nämlich eigentlich nur so, dass Sympathie und Antipathie als Wahrnehmungsorgane eingesetzt werden. Wenn ich das tue, dann geben sie mir Auskunft über das, was mir sympathisch oder unsympathisch ist - und das hat dann in erster Linie einmal mit mir zu tun, es handelt sich um meine Gefühle, für die ich selbst verantwortlich bin und nicht etwa der andere Mensch, dessen So-Sein oder Verhalten diese Gefühle in mir auslösen.

Wenn ich das erst einmal verstanden habe, dann kann ich viel objektiver hinschauen auf den anderen Menschen und kann viel mehr wahrnehmen. Ich bin dann auch in der Lage viel mehr Einzelheiten wahrzunehmen. Das Wahrnehmen der Einzelheiten führt mich dann zum nächsten Schritt, zum Hineinfühlen in die Situation des anderen Menschen:

Der richtige Umgang mit Sympathie und Antipathie verhilft zu einem Handeln aus Empathie, verhilft zu einem immer besseren Einfühlungsvermögen - und es sei nicht verschwiegen, dass es in der sozialen Arbeit sehr viel schwieriger ist, über Sympathie hinauszugelangen als über Antipathie, denn wer verwandelt schon gerne die schönen, angenehmen Gefühle, die die Sympathie vermittelt?

Nach einem Artikel von Stephanie Grothaus, Lautenbacher Gemeinschaften

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Fliegen zum Taxipreis ... aber bitte nur einzeln!

Wir - zwei Rollstuhlfahrer und zwei Begleitpersonen - planen eine Städtetour nach Porto. Bei HLX finden wir den geeigneten Billigflug im gewünschten Zeitraum. Nach erfolgreicher Online-Buchung wird uns auch gleich eine passende Reiserücktrittsversicherung angeboten. Diese schließen wir gerne ab. Unter dem Buchungscode muss ich unsere Rollstühle telefonisch anmelden. Doch das Gespräch mit der netten Dame im Servicecenter bremst unser frisch entflammtes Urlaubsfieber: "Bei unseren Flügen haben wir extrem kurze Bodenzeiten. Insgesamt haben wir nur 30 Minuten Zeit zur kompletten Ent- und Beladung der Maschine. Leider hat das auf dieser Route eingesetzte Flugzeug nur einen Eingang, sodass eben nur eine Person, die beeinträchtigt ist, mitgenommen werden kann. Ansonsten kostet dies zu viel Zeit. Dies würde eine Verspätung nach sich ziehen. Das Customer Relation Management (toller Anglizismus), die Dame von der Anmeldung Sondergepäck und alle anderen lehnten bei meinen Rückfragen ab, zwei Behinderte gleichzeitig mitzunehmen. Bei einem anderen Maschinentyp wäre es kein Problem. Hier fliegt leider unsere kleinste Maschine, eine Fokker 100 (diese hat etwa 100 Sitzplätze!)".

Das Geld für den Flug sowie die Reiserücktrittsversicherung wird natürlich sofort abgebucht. Trotz der unmittelbaren Stornierung unserer Reise sind diese Beträge nach einer Woche nicht zurück auf meinem Konto. Also rufe ich nochmals im Servicecenter von HLX an. Die diesmal weniger freundliche Dame bestätigt mir, dass die Kostenerstattung der Flugreise bereits in die Wege geleitet worden wäre. Um die Stornierung der Reiserücktrittsversicherung solle ich mich selber kümmern. Dies wäre nicht Aufgabe von HLX. Das nenne ich Service! Nach zwei Wochen habe ich tatsächlich die fehlenden Beträge wieder auf meinem Konto.

So schwindet der Traum vom Billigflug, zumindest mit HLX. Da kann ich nur sagen: low cost, no fun.

Das Europaparlament in Straßburg hat mittlerweile entschieden, dass Passagiere mit Behinderung bei Flugreisen in der Europäischen Union ab 2008 einen Rechtsanspruch auf unentgeltliche Betreuung haben. Der Gesetzestext sieht vor, dass Fluggesellschaften die Beförderung von Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung, von Älteren, Blinden oder Tauben nicht wegen deren eingeschränkter Mobilität verweigern dürfen.

Diese Regelung ist vor allem für Billiganbieter wichtig. Bislang leben Billigflieger nicht nur auf Kosten der Steuerzahler und der Umwelt, sondern auch auf Kosten Behinderter. Sie lehnen den Transport ab. Das geht dann nicht mehr!

Michael Fischer

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Sterbehilfe

Ein häufig diskutiertes und doch wenig reflektiertes Thema

Jeder sollte die Entscheidung, lieber sterben zu wollen als unter den gegebenen persönlichen Bedingungen weiter leben zu müssen, selbst fällen können. Da sind wir uns sicher einig. Doch bevor ich über solch einen entscheidenden Schritt überhaupt nur nachdenke oder ihn beurteile, muss ich mir darüber klar werden, woher dieser Wunsch kommt. Sind es nicht oft die gesellschaftlichen und sozialen Umstände in denen ich lebe, die mich glücklich machen oder eben auch verzweifeln lassen? Sicherlich kann man menschliches Leiden nicht von außen einschätzen oder gar beurteilen. Ich halte es jedoch für eine bedenkliche Entwicklung, wenn wir allgemein den Tod dem Leben vorziehen, auch wenn es ein Leben mit Behinderung ist. Sind es nicht oft die äußeren Verhältnisse oder das Unverständnis unserer Mitmenschen, die uns unsere Behinderung als so unerträglich empfinden lassen? Sollten wir nicht lieber hier ansetzen, in der Verbesserung des Umfeldes, der Entinstitutionalisierung und Entbürokratisierung unserer Gesellschaft, bevor wir über aktive oder passive Sterbehilfe und deren Legalisierung diskutieren? Vielleicht klingt es naiv an unsere Menschlichkeit zu appellieren, ich glaube aber, dass wir uns gegenseitig ermahnen müssen, den Mensch im anderen zu sehen und nicht den Behinderten.

Begriffe der Sterbehilfe

Mal ehrlich, die meisten von uns wissen gar nicht genau, von was sie da reden. Jeder kann zum Thema Sterbehilfe etwas sagen aber was das genau bedeutet und wie legal das ist…?

Passive Sterbehilfe

Sie ist seit dem Urteil des Bundesgerichtshofes vom Mai 1991 offiziell zulässig und bedeutet, dass bei Menschen, die bereits im Sterben liegen, lebenserhaltende Maßnahmen eingestellt oder unterlassen werden.

Indirekte Sterbehilfe

Auch sie ist legal und heißt, dass Menschen, die im Sterben liegen, Medikamente bekommen, die ihre momentane Situation erleichtern, den Sterbeprozess jedoch beschleunigen (z.B. Morphine). Momentan wird diskutiert, ob diese Form der Sterbehilfe auch bei Menschen angewandt werden darf, die noch nicht im Sterben liegen.

Aktive Sterbehilfe

Sie beinhaltet alle Maßnahmen, die gewollt den Tod oder die Beschleunigung des Todes zum Ziel haben. Sie ist in Deutschland nicht erlaubt.

Assistierte Selbsttötung

Hierbei werden Mittel zur Selbsttötung zur Verfügung gestellt, die Handlung muss jedoch von der Person selbst durchgeführt werden. Sie ist in Deutschland legal, die Mittel dazu dürfen bislang nicht verordnet werden.

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Impressum

ABS News ist die Mitgliederzeitschrift des Vereins Aktive Behinderte in Stuttgart und Umgebung - Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen (ABS-ZSL) e.V.

Vereinsbüro: Reinsburgstr. 56, 70180 Stuttgart
Tel.: 0711/780 18 58
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Redaktion: Maria-Cristina Hallwachs
E-Mail  hallwachs @ aktive-behinderte·de

Diese Zeitschrift ist kostenlos. Wir freuen uns aber über Spenden an den ABS unter Konto-Nr. 222 318 007 bei der Stuttgarter Bank, BLZ 600 901 00.

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© ABS Stand: 2007-02-25
E-Mail  Michael Fischer, fischer @ aktive-behinderte·de